Maximilian Juncker - Von 0 auf 555 - in knapp 2 Jahren
Maximilian Juncker 2006 und 2007
„Schnappszahlen“ lösen oft Freude aus. Manchmal steckt hinter dem Erreichen derselben aber auch eine Geschichte. Bei den Landesmeisterschaften der Bogensportler im Brandenburgischen Schützenbund erreichte der in Röpersdorf wohnende, für den Schönower SV startende Maximilian Juncker 555 Ringe. Er wurde überlegener Landesmeister der Schüler A. Und die Geschichte? In dem Wust guter Ergebnisse von Bogensportlern aus der Uckermark – und der ist bei der Stärke der Athleten aus Vereinen in Heinersdorf, Schmölln, Schwedt und Schönow enorm – geht fast unter, welche Qualität dieses Resultat hat. Und vor allem wie es dazu kam. Denn der 13-Jährige, der in diesem Monat erst sein „Zweijähriges“ in dieser Sportart feiert, nahm eine rasante sportliche Entwicklung. „Maximilian ist einer, der die Perfektion in sich hat“, urteilt Uwe Neugebauer-Wallura (Schönower SV), bei dem er die ersten Stunden am Bogen absolvierte. „Das ist keine Floskel. Er ist dem Charakter nach sehr ruhig, zeigte von Beginn an enormen Trainingsfleiß und geht jede Herausforderung – ob Tests, Turniere oder Meisterschaften – in der Vorbereitung und Durchführung diszipliniert an.“ Im Motorsport, Breakdance und Karate hatte er sich zuvor schon probiert, aber, so seine Eltern, „wahrscheinlich keine Erfüllung darin gefunden.“ Dann fiel seinem Vater Harald – begeisterter Ausdauersportler auf Inlines, Rennrad und im Laufen – auf, dass der Junge gern mit Flitzbogen spielt. „Wir haben ihm dann einen einfachen Sportbogen gekauft.“ Daran fand er Gefallen. „Und da ich den Schönower Bogensport-Trainer Uwe Neugebauer-Wallura von Wettbewerben aus dem Ausdauerbereich kannte, fuhren Maximilian und ich Anfang 2005 zu ihm und suchten Rat.“
Maximilian
und sein Vater beim ersten Wettkampf 2005
Nun überschlugen sich die
Ereignisse. Im Februar 2005 begann er sein Training in Schönow. „Weil er so
zielstrebig darauf zusteuerte“, so der Trainer, „hatte er schon vier Wochen
später seinen ersten kleinen Wettkampf.“ Die dabei gewonnene Urkunde war
enorm motivierend. Der Trainingsumfang wurde aus eigenem Antrieb gesteigert.
Nach acht Monaten erfüllte er bereits die D-Kadernorm. Mit seinen 496 Ringen
beim Hallenpokal in Luckau gewann er im Dezember 2005 nicht nur seinen ersten
großen und bedeutenden Wettkampf sondern klopfte an die Tür zu Größerem. Dem
gleichaltrigen Vereinskameraden Rene Rehse war er nun „auf die Pelle gerückt“
und „in Steffen Begert, leistungsbeständiger Schütze des Schönower SV im Männerbereich,
hatte ich einen Sportler vor mir, dem ich nacheiferte“, erklärt der junge Röpersdorfer.
Maximilian
im Schönower Verbandsligateam 2006
Er
ist seinen Eltern unendlich dankbar, dass sie ihm dies ermöglichten. Denn zunächst
zweimal je Woche Training in Schönow, dann die Wettkampffahrten und außerdem
die Kosten für das teure Bogensportmaterial, das waren und sind nicht nur
Hilfen, das wurde auch Basis einer psychischen Stärke. „Maximilian
kam in noch nicht einmal 12 Monaten in seinen Leistungen so weit, wie manch
anderer erst nach in Jahren“, hieß es Mitte 2006 vom Schönower Trainer, als
Maximilian Juncker an einem weiteren Scheideweg stand. Es kam der Vorschlag an
die Eltern, ihn an die Sportschule Frankfurt (Oder) zu schicken. Damit begann
der jungen Geschichte zweiter Teil, bei der sich erneut die Ereignisse überschlugen.
Nach einem Frankfurt-Besuch am „Tag der offenen Tür“ war für Maximilian
klar: „Ja, da will ich hin, denn mein Ziel sind internationale Starts und
Medaillen.“ Mit Beginn der Klasse 7 zog er
in das Internat der Sportschule der Oderstadt ein. Schulisch gab es keine
Probleme, doch sportliche stellten sich bald ein. „Wir hatten nur zwei
Trainingseinheiten je Woche bei einem Honorartrainer.“ Das bringt ja weniger
als in Schönow, stellten die Eltern fest und suchten das Gespräch mit der
Schulleitung. Eine Lösung des Problems gab es nicht, denn trotz Ausschreibung
kam es zu keiner Traineranstellung an der Sportschule. „Von Wettkämpfen her kannten
wir aber andere Trainer. In
den Herbstferien fragten wir in Berlin nach, ob man Maximilian dort beschulen
kann.“ Das Probetraining an der „Werner Seelenbinder“-Eliteschule des
Sports in Berlin-Hohenschönhausen war ein kurzes. Die Trainer brachen es ab,
weil sie mit Leistungen überzeugt wurden. Er bekam sofort ein Aufnahmeangebot.
Plötzlich gab es neue Hürden, bürokratische. „Ein Umschulungsantrag, dass könne
Wochen dauern, stellte man uns im Staatlichen Schulamt in Eberswalde in
Aussicht“, berichtet Maximilians Mutter Kerstin. Die Eltern ersuchten um Hilfe
in Berlin. „Der Leiter des Olympiastützpunktes klemmte sich hinter die Sache,
forcierte sie. Und siehe da, innerhalb von drei Tagen war klar, das unser Junge
nach Berlin umzog.“ Hauptargument der Berliner: Seine außerordentliche
Begabung und aussichtsreiche sportliche Perspektive.
Rund 1200 junge Athleten
besuchen die Berliner Eliteschule, 22 bilden mit Maximilian eine 7. Klasse, fünf
davon sind Bogensportler. Dass er einen prall gefüllten Kalender hat, stört
ihn nicht. Mit dem Lernen hat der sich besonders für Naturwissenschaften
interessierende Junge keine Probleme. Tägliches Training, Zusammenarbeit mit
dem Spitzenverein Bergmann Borsig Berlin, Trainingslager in Kienbaum und neben
der bogensportspezifischen auch mehr Augenmerk der athletischen Ausbildung, das
trägt nun schon Früchte. „Maximilian ist schnell in der Brandenburger
Rangliste in den Top-Bereich geklettert. Seine jetzt erzielten 555 Ringe
unterstreichen das“, so Uwe Neugebauer-Wallura. „Aber nun muss er sich im
Bereich von 540 bis 560 stabilisieren. Außerdem ist eine stabile Psyche
gefragt. Er war der Newcomer. Nun wird er zum Gejagten. Sich nach knapp zwei
Bogensportjahren für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert zu haben, ist
Klasse. Am 3./4. März muss er beweisen, wo er national steht und wie er mit
dieser Bürde fertig wird.“ Platz 10 bis 20 ist die Orientierung für den
nationalen Titelkampf, Platz zehn oder besser und er wäre überglücklich. Dafür
stellt Maximilian auch andere Freizeitinteressen wie Gitarrespielen und Lesen (Fantasy,
Ufologie) hinten an. „Ich weiß, dass ich, um weiter zu kommen, hart
trainieren muss. Vor allem in der Athletik muss ich besser werden. Aber ich
glaube, dass ich das mit Hilfe meiner Eltern und den ausgezeichneten Bedingungen
an der Berliner Sportschule schaffe.“ Man wünscht und glaubt es ihm.
Text: Armin Gehrmann (www.uckermarkkurier.de) , Fotos: U. Neugebauer-Wallura, 3.2.2007,